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Brand Voice entwickeln: Was es ist, warum es wichtig ist und wie du deine eigene findest

Es gibt einen Moment, den fast alle kennen, die schon länger kommunizieren: Du liest einen Text, den du selbst geschrieben oder in Auftrag gegeben hast und er klingt nicht nach dir. Technisch korrekt, inhaltlich vollständig, vielleicht sogar gut formuliert. Aber er klingt nach niemandem. Nach einem Template. Nach dem, was eben so geschrieben wird.


Dieses Problem lässt sich lösen, aber nicht durch bessere Adjektive oder einen neuen Tonalitätsleitfaden.


Was ist die Brand Voice?


Brand Voice ist nicht Tonalität. Das ist das verbreitetste Missverständnis.


Tonalität beschreibt wie du klingst. Formal oder locker. Nüchtern oder warm. Sachlich oder emotional. Tonalität ist variabel und du klingst anders in einem Kundengespräch als in einem LinkedIn-Post, anders in einer Fehlerkommunikation als in einem Willkommensmail.


Brand Voice beschreibt warum du so klingst. Sie ist die Haltung, die in allem erkennbar ist was du kommunizierst, ganz unabhängig vom Kanal, unabhängig vom Thema, unabhängig vom Ton. Sie ist das, was konstant bleibt wenn sich der Ton anpasst.


Eine Marke mit starker Brand Voice klingt erkennbar nach sich selbst, egal ob sie gerade über ein ernstes Thema schreibt oder einen Witz macht, ob sie eine Beschwerde beantwortet oder ein neues Produkt ankündigt.


Brand Voice ist Haltung in hör- und lesbarer Form. Kein Stilmittel. Keine Formatierungsregel. Die Summe aus dem, was eine Marke wirklich glaubt und wie dieses Glauben in Sprache wird.


Woran du erkennst, dass deine Brand Voice fehlt


Fünf Signale, die fast immer auf fehlendes oder unklares Brand Voice hinweisen:


1. Deine Texte klingen wie alle anderen in deiner Branche Wenn jemand deinen Namen aus deinem Text entfernen würde, würde man ihn noch zuordnen können? Wenn die Antwort nein ist, ist die Brand Voice noch nicht klar genug.


2. Jeder Kanal klingt anders, ohne, dass das gewollt ist Website klingt formell, LinkedIn klingt locker, E-Mails klingen wieder anders. Das ist kein Zeichen von Anpassungsfähigkeit. Es ist ein Zeichen, dass kein gemeinsames Fundament da ist.


3. Du weißt nicht, was zu dir passt und was nicht Wenn du bei jeder Formulierungsentscheidung von vorne anfängst, soll ich das so oder so sagen? Hier fehlt die Grundlage, von der aus Entscheidungen klar werden.


4. KI-generierte Texte sind nicht von deinen zu unterscheiden Wenn ChatGPT einen Text schreiben kann, der genauso klingt wie deine eigenen, dann hat deine Kommunikation kein Alleinstellungsmerkmal. Brand Voice ist das, was KI nicht replizieren kann: echte Haltung, echte Geschichte, echte Überzeugung.


5. Kunden zitieren dein Angebot, aber nicht dich Wenn Kunden weiterempfehlen weil du gut bist, aber nicht weil du unverwechselbar bist, fehlt Wiedererkennbarkeit. Brand Voice ist der Grund warum Kunden sagen: „Das klingt genau nach ihr" und nicht nur: „Sie macht gute Arbeit."


Die vier Ebenen einer Brand Voice


Brand Voice entsteht nicht auf einer Ebene. Sie entsteht aus dem Zusammenspiel von vier Schichten:


Ebene 1: Haltung Das ist das Fundament. Wofür stehst du, auch wenn es unbequem ist? Welche Überzeugungen treiben deine Arbeit an? Was sagst du nie, weil es nicht zu dir passt? Haltung ist der Kern, aus dem alles andere entsteht. Ohne Haltung gibt es keine echte Brand Voice, sondern nur stilistische Entscheidungen ohne Substanz.


Ebene 2: Charakter Welche Persönlichkeitszüge trägt deine Kommunikation? Direkt oder umschreibend? Ernsthaft oder mit Humor? Mutig oder vorsichtig? Charakter ist nicht dasselbe wie Tonalität. Charakter ist immer stabiler. Er verändert sich nicht von Kanal zu Kanal. Er ist die Persönlichkeit, die in allem erkennbar ist.


Ebene 3: Sprache Welche Wörter benutzt du und welche nie? Was sind deine Lieblingssätze, wenn du über deine Arbeit redest? Welche Metaphern kommen immer wieder? Sprache ist die sichtbarste Ebene der Brand Voice. Sie lässt sich am einfachsten dokumentieren, aber sie entsteht aus den zwei Ebenen darunter, nicht umgekehrt.


Ebene 4: Rhythmus Wie klingen deine Sätze? Lang und komplex, oder kurz und präzise? Wie viel Raum gibst du dem Leser zum Atmen? Rhythmus ist das Unterschwelligste, aber er erzeugt Wiedererkennbarkeit auf einer Ebene, die nicht bewusst wahrgenommen wird. Man spürt den Rhythmus einer Stimme bevor man sie beschreiben kann.


Wie du deine Brand Voice entwickelst


Es gibt keinen Shortcut, aber es gibt einen Prozess.


Schritt 1: Sammeln was bereits da ist Such dir drei bis fünf Texte heraus, bei denen du das Gefühl hattest: das klingt nach mir. Egal ob E-Mail, LinkedIn-Post, ein Absatz auf der Website. Was haben diese Texte gemeinsam? Welche Wörter kommen wieder vor? Wie sind die Sätze gebaut? Was ist der Ton?

Das ist nicht die fertige Brand Voice, aber es sind Hinweise auf die, die bereits da ist.


Schritt 2: Benennen was du nie sagst No-Go-Wörter und Formulierungen sind manchmal einfacher zu definieren als die Positiv-Version. Was passt nicht zu dir? Was klingt falsch wenn du es liest? Was sagen andere in deiner Branche, das du niemals sagen würdest?


Die Grenzen zu kennen hilft, den Raum innerhalb dieser Grenzen zu definieren.


Schritt 3: Den Standpunkt formulieren Brand Voice ohne Haltung ist Stil ohne Substanz. Was glaubst du über dein Thema wirklich? Was ist deine Perspektive, die andere nicht teilen? Wo widersprichst du dem Mainstream in deiner Branche?

Dieser Standpunkt ist der Kern deiner Brand Voice. Alles andere ist Ausdruck davon.


Schritt 4: Die Stimme in konkreten Beispielen zeigen Abstrakte Beschreibungen helfen wenig. Was hilft: konkrete Beispiele. Wie klingt deine Brand Voice wenn du ein schwieriges Thema ansprechen musst? Wenn du Humor einsetzen willst? Wenn du auf Kritik reagierst?


Für jede dieser Situationen ein konkretes Beispiel schreiben, so wie du es sagen würdest, wenn du in deinem Element bist. Diese Beispiele sind dein Brand-Voice-Leitfaden.


Schritt 5: Konsistenz trainieren Brand Voice entsteht nicht durch ein Dokument. Sie entsteht durch konsequente Anwendung. Das bedeutet: jeden Text, den du schreibst, durch die Frage laufen lassen: Klingt das nach mir? Würde ich das so sagen?

Wenn die Antwort nein ist, dann nicht veröffentlichen. Überarbeiten bis es stimmt.


Was Brand Voice nicht ist


Brand Voice ist kein Styleguide Ein Styleguide regelt Formatierung, Interpunktion, Groß- und Kleinschreibung. Das sind handwerkliche Regeln, die wichtig sind, aber nicht das was eine Stimme unverwechselbar macht.


Brand Voice ist kein Tonalitätsdokument „Wir kommunizieren freundlich, professionell und klar." Das sagt jeder. Das ist keine Brand Voice. Das ist eine Beschreibung, die auf jede Marke passt.


Brand Voice ist keine Liste von Adjektiven „Direkt. Mutig. Menschlich." Adjektive beschreiben, sie definieren nicht. Eine Brand Voice, die nur aus Adjektiven besteht, ist nicht umsetzbar. Was hilft: konkrete Beispiele die zeigen, was diese Adjektive bedeuten und was nicht.


Brand Voice ist nicht statisch Sie entwickelt sich mit der Marke. Was heute stimmt, muss in zwei Jahren nicht mehr stimmen. Das ist kein Fehler, das ist Wachstum. Entscheidend ist, dass das Fundament, also Haltung, Charakter, Standpunkt konstant bleibt, auch wenn die Sprache sich verfeinert.


Brand Voice entwickeln und Copywriting. Wie beides zusammenhängt


Das ist die Frage, die im Copywriting-Kontext am häufigsten kommt: Kann ein Copywriter meine Brand Voice entwickeln oder umsetzen oder muss das von mir selbst kommen?


Beides ist richtig, aber in der richtigen Reihenfolge.

Die Haltung, der Standpunkt, der Charakter. Das muss von dir kommen. Kein Copywriter kann dir sagen wofür du stehst. Er kann dir helfen, es klarer zu formulieren. Er kann dir zeigen, wo deine Stimme bereits da ist und wo sie fehlt. Aber die Substanz kommt von dir.


Was ein Copywriter liefern kann: er übersetzt diese Substanz in Sprache. Er erkennt deine Stimme wenn du redest und baut Texte, die so klingen als hättest du sie selbst geschrieben. Das ist die Arbeit: nicht eine Stimme erfinden, sondern eine bestehende freilegen und konsequent einsetzen. Das ist im Übrigen eine der essentiellen Dinge, die ein Copywriter liefert.


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